
Roadtrip durch Wales
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So ein Hundeglück

Roadtrips mit Mila haben ihre eigenen Gesetze. Hundefreundliche Unterkünfte sind rar, der Zutritt wird vielerorts verweigert und meine Aufmerksamkeit gehört beinahe ununterbrochen meiner eigensinnigen Begleiterin.
Doch gerade in solchen Herausforderungen lag auch dieses Mal der Reiz. Ich würde viel Zeit mit Mila in der Natur verbringen, mir von ihrer treuen Seele guttun lassen, durch Geduld entschleunigen und Orte kennenlernen, die mir allein wohl entgangen wären.
Vier Tage ließ ich mir Zeit, um durch Südengland nach Wales zu gelangen. Auf der bewusst gemütlichen Hinfahrt legte ich allabendlich die Route für den kommenden Tag fest und erlaubte mir dennoch spontane Zwischenstopps abseits der geplanten Strecke.

Ich recherchierte nach „dog-friendly“ Hotels, Pubs und Sehenswürdigkeiten sowie nach Naturschauplätzen mit leichten Wanderwegen. Zu meiner Überraschung wurde ich häufig fündig. In den auserkorenen Dörfern bot man Mila Hundeknochen, Würstchen und sogar Hundeeis an und verwöhnte sie obendrein mit Streicheleinheiten. Sie wurde geradezu überschwänglich willkommen geheißen. Die Schilder an etlichen Türen machten es mit typisch britischem Humor deutlich: „DOGS WELCOME, people tolerated.“ Entlang der Straßen standen vor vielen Häusern gefüllte Wasserschalen für durstige Vierbeiner.
Und was die Nationalparks betraf, so waren selbst dort zu meiner Freude Hunde erlaubt. Mir begegneten sogar mehr Menschen in Begleitung eines Hundes als ohne. Zwar mussten die Vierbeiner an kurzer Leine gehalten werden, doch man wollte ja auch nicht den Wildtieren in die Quere kommen. Davon gab es nämlich einige. Pferde, Esel, Gänse, Enten und Schafe bewegten sich frei und selbstverständlich über Wege und Wiesen. Mila beäugte sie mit großem Interesse und zog einmal mehr kräftig an der Leine. An einer Stelle ließ ich sie gewähren, denn dort trennte uns ein sicherer Zaun von einer Herde Pferde. Eines der eleganten Tiere steckte seine lange Schnauze durch ein Loch zu uns hin. Mila ließ sich nicht lange bitten und beschnupperte das Pferd neugierig. Gleich darauf begann sie hastig vom Weidegras zu fressen, als wollte sie es dem Pferd gleichtun, um auch einmal so groß zu werden.

In den wenigen Tagen der Anreise durch Südengland passierten wir das malerische Rye, die atemberaubende Kliffküste der Seven Sisters, den New-Forest-Nationalpark mit seinen uralten Riesenmammutbäumen und den tausenden frei umherlaufenden Ponys sowie das verwunschene Lacock, das mit seinen alten Gemäuern wie aus der Zeit gefallen wirkte und in dem einige Szenen der Harry-Potter-Filme gedreht wurden.
Schließlich überquerten wir fast unmerklich die offene Grenze nach Wales und übernachteten im stark bewaldeten Tintern, direkt am River Wye und in unmittelbarer Nähe der Ruine von Tintern Abbey. Von da an begann unser Roadtrip erst richtig.
Ich war gespannt, auf welche Weise mich Wales auf die Probe stellen würde und ob es genauso herzlich und aufregend weitergehen würde.






Im Herzen der Black Mountains
Ohne Pause einmal rund um Wales zu fahren, dauert grob gerechnet weniger als zwanzig Stunden. Wales ist kein Land der langen Distanzen. Es ist nur etwa ein Viertel so groß wie die benachbarte Insel Irland oder das ebenfalls britische Schottland. Beides sind Länder, die ich bereits voller Freude mit dem Auto bereist habe. Landschaftlich sind alle drei faszinierend, doch Wales ist deutlich kompakter und seine wunderschönen Nationalparks liegen näher beieinander. Mit diesem Wissen ließ ich meine täglichen Routen entspannt angehen. Fahrzeiten von mehr als einer Stunde zwischen den einzelnen Unterkünften waren kaum zu erwarten. So blieb viel wertvolle Zeit für die eigentlichen Ausflüge.
Nach der ersten Nacht in Wales im beschaulichen Tintern klingelte der Wecker um sieben Uhr. Das war früh genug, um erst einmal ein herzhaftes „Full English Breakfast“ zu genießen, anschließend die kurze Autofahrt zu bewältigen und den angestrebten Zielort noch vor dem Mittag zu erreichen. Passend zur walisischen Flagge trug meine neue Unterkunft den Namen „Dragon Inn”. Sie lag mitten in Crickhowell, einem kleinen Ort am Rand des Brecon-Beacons-Nationalparks – oder „Bannau-Brycheiniog”, wie er auf walisisch heißt. Das weitläufige Schutzgebiet ist bekannt für die Gebirgskette der Black Mountains und für seine zahlreichen gut ausgebauten Wanderwege. Viel mehr wusste ich darüber nicht.

Ich setzte mich also in ein gemütliches Pub und recherchierte zunächst nach interessanten Anfahrtspunkten, während Mila neben mir ruhig auf der Bank schlief. Dabei stieß ich auf den Gospel Pass, den höchsten Straßenpass in Wales, der als Verbindung zwischen den Ortschaften Hay-on-Wye und Llanthony über das ausgedehnte und weitgehend unberührte Hochlandmassiv der Black Mountains führt. Entlang der Strecke erhebt sich der Hay Bluff. Der markante Hügel misst eine Höhe von 677 Metern. Vom Parkplatz aus waren bis zum Gipfel jedoch nur rund 140 Höhenmeter zu bewältigen. Eine Wanderung schien mit Mila problemlos möglich zu sein und versprach eine fantastische Aussicht. Damit war es entschieden.

Früh am kommenden Morgen fuhren wir los. Wir folgten einer äußerst schmalen Fahrbahn, die keinen Gegenverkehr zuließ. Vor uns öffnete sich eine scheinbar endlose grüne Hügellandschaft. Die Gegend wirkte karg und weich zugleich. Nur vereinzelt standen Baumgruppen und Büsche wie Inseln in einem Meer aus Gras. Erinnerungen an Irland und die schottischen Highlands wurden wach. Schafe und Kühe grasten auf weiten Weiden. Menschen dagegen begegneten wir keinen. Wer Ruhe und Einsamkeit suchte, wurde hier fündig.


Schließlich tauchte der augenscheinlich höchste Hügel vor uns auf. Seine Präsenz weckte in mir die Lust drauflos zu klettern und auch Mila drückte neugierig ihre Schnauze gegen die Fensterscheibe. Wir parkten in einer Haltebucht und machten uns an den Aufstieg zum Hay Bluff. Gleich zu Beginn begegneten wir einer eifrigen Schulklasse von gut zwanzig Jugendlichen, die dort geologische Untersuchungen vornahmen. Von Mila begeistert unterbrachen sie ihre Aufgaben. Eine Schülerin fragte mich, ob man uns online finden könne. Es war bemerkenswert, wie offen und fröhlich die Menschen während meiner Reise auf Mila reagierten.

An einer Weggabelung angelangt standen wir vor der Wahl zwischen einem sehr steilen Aufstieg und einer gemächlichen Zickzack-Route. Ich entschied mich für den entspannteren Weg und hob den Steilhang für einen rasanten Abstieg auf. Bei sanftem Nieselregen, frischer Luft, Begegnungen mit Schafen und Wildpferden und einem herrlichen Panorama vollendeten wir unsere erste Hügelwanderung in Wales.
Doch dies blieb nicht unsere einzige Aktivität im Bannau Brycheiniog. In den eineinhalb Tagen, die wir dort verbrachten, wurden Milas Pfoten ebenso gefordert wie meine Kamera und mein Notizbuch. Bevor wir das Gebiet in Richtung Südküste verließen, hatten wir unsere erste walisische Burgruine besichtigt, mit Hay-on-Wye das erste und größte Bücherdorf der Welt besucht und waren hinter den Henrhyd Wasserfall gewandert, der als Kulisse für Batmans Höhle in „The Dark Knight Rises” diente. Nun lag das Gebiet des Bannau Brycheiniog hinter uns und wir folgten dem Ruf der Küste.





Bei Ankunft Ebbe
Da ich fernab der Küste lebe, empfinde ich die seltenen Momente, in denen ich Ebbe und Flut beobachten kann, jedes Mal aufs Neue als faszinierend. So war meine Vorfreude groß, als wir die Gower-Halbinsel im Süden von Wales erreichten, wo der Atlantik mit seinen Gezeiten Tag für Tag Land freilegt und wieder verschluckt.

Wir folgten der Mumbles Road, die uns unmittelbar am Meer entlangführte. Dabei durchfuhren wir zunächst die Hafenstadt Swansea und passierten danach mehrere kleine Küstenorte. Mein Blick haftete unentwegt auf der kilometerweiten Sandfläche der Bucht, die bei Ebbe offenlag. Der glänzende Boden war von Rinnsalen durchzogen und übersät mit Pfützen und verstreuten Steinen. Menschen mit Eimern liefen weit hinaus, knieten im nassen Schlick und gruben nach Wattwürmen, die sie später als Köder zum Angeln nutzten. Erst an der äußersten Spitze der Bucht stoppten wir.


Dort lag Mumbles, ein ehemaliges Fischerdorf mit gut ausgebauter Promenade, Pier, Cafés, Restaurants und einigen kleinen Hotels. Über allem thronte eine normannische Burgruine aus dem 12. Jahrhundert. Ich schaute auf die vorgelagerten Felsen am Kopf von Mumbles, wo seit 1794 ein weißer Leuchtturm über die Swansea Bay wacht. Mumbles wurde für zwei Nächte unser Ausgangspunkt für die Entdeckung der Gower-Halbinsel. Wir kamen in einem der raren freien Hotelzimmer unter, in dem zum Glück auch Hunde erlaubt waren. Bevor wir am darauffolgenden Morgen zu unserem Ausflug aufbrachen, spazierte ich mit Mila erst noch die Promenade auf und ab. Sie schaute nicht weniger verdutzt als ich. Wo Mila tags zuvor noch freudig über den Sand geflitzt war, stand das Wasser nun bis an die Mauern. Nicht ein Fleckchen war trocken geblieben. „Wo ist der Strand hin?“, rätselte ich kurz. „Ach ja, die Flut!” Gut zehn Meter Höhenunterschied lagen hier zwischen Ebbe und Flut, ein Tidenhub, wie man ihn nur an wenigen Küsten der Welt erlebt. Die Erinnerung an diesen radikalen Landschaftswandel sollte mir wenige Stunden später noch einen wertvollen Dienst erweisen.


Auf dem Rücken der Seeschlange
Eine der wohl spektakulärsten und sagenumwobensten Küstenlandschaften von Wales, so heißt es, findet sich auf der Gower-Halbinsel. Wir waren also am richtigen Ort, bereit für das nächste Abenteuer. Ich gab „Rhossili Cliffs“ ins Navigationsgerät ein und folgte einer schmalen Straße, die uns in gut dreißig Minuten von Mumbles aus dorthin bringen sollte.

Die Umgebung veränderte sich allmählich. Die Dörfer wurden kleiner und seltener, bis auch das letzte Haus einer grünen, offenen Landschaft wich. Wir passierten ein verblichenes Straßenschild mit dem Hinweis „Area of Outstanding Natural Beauty“, daneben stand „Gower National Landscape“. Die Halbinsel hat diesen Schutzstatus bereits 1956 als erstes Gebiet Großbritanniens erhalten. Sie bietet bedrohten Pflanzen, Vögeln und Insekten einen Rückzugsort. Mila stellte sich auf die Hinterpfoten, schaute aus dem Beifahrerfenster und wurde unruhig. Aus Erfahrung wusste ich, dass sie ein feines Gespür für das Besondere hat. Kurz darauf erreichten wir den National Trust Car Park oberhalb der Rhossili Bay. Es nieselte, doch das hielt Mila nicht davon ab, aus dem Auto zu hechten und mich mit einem unmissverständlichen Blick zum Aufbruch zu drängen.


Schon nach wenigen Schritten standen wir auf dem Pfad, der oberhalb der Steilküste verlief. Der Weg war flach und gut begehbar und gab bald die Sicht auf die menschenleere Bucht in der Tiefe frei. Aus knapp achtzig Metern Höhe schaute ich hinab auf den Sandstrand, der sich weit in die Ferne zog. Flache Wellen kamen und vergingen. Beinahe hypnotisch blieb mein Blick an ihrer ruhigen Bewegung hängen, während ihr gleichmäßiges Rauschen bis zu mir heraufdrang. Feiner Nebel lag über der Küste und nahm der Landschaft jede Schärfe. Nur die Schafe am Rand der Klippen wirkten vollkommen unbeeindruckt von dieser dramatischen Szenerie und grasten auf ihrem gewohnten Weideplatz. Ich folgte der Richtung, die mir die steil zum Meer abfallende Felskante vorgab. Überall wuchsen dichte, stachelige Sträucher mit intensiv gelben Blüten – Stechginster, der beinahe das ganze Jahr über blüht.

Uns begegneten nur wenige Wanderer, dafür umso mehr Schafe. Zu meiner Überraschung kreuzten auch kräftige Ponys unseren Weg, vermutlich Irish Cobs, darunter sogar ein Fohlen. Mit ihren zottigen Fesseln und den vom Wind zerzausten Mähnen wirkten sie, als gehörten sie ebenso selbstverständlich zu dieser Küstenlandschaft wie der Nebel, das Meer und die Klippen.
Seit die Wilderei effektiv bekämpft werde, wachse die Population stetig. Erfreulicherweise zählen die Naturschutzgebiete dort zu den am besten bewachten in ganz Afrika und zahlreiche Organisationen sind ruhelos beim Bestreben, dass es so bleibt und weiterhin besser wird. „Eines Tages werden auch die Nashörner zurückkehren!“, so ist man sich dort sicher.


Während ich versuchte, die Tiere mit ihrer charakteristischen Schecken-Zeichnung im Foto einzufangen, entdeckte ich durch die Linse etwas im Hintergrund. Neugierig trat ich an den Rand der Klippe. Aus dem Nebel war eine grün überwachsene Insel aufgetaucht. Bei näherem Hinsehen erkannte ich eine Verbindung zum Festland. Ein langgestreckter Felspfad schlängelte sich im weiten Bogen wie ein ausgestreckter Rücken zu dem Eiland.

Mit Mila im Schlepptau stieg ich den Pfad hinunter zum Ufer und betrat den steinernen Übergang. „Sollen wir es wagen?“, murmelte ich und musterte erst den holprigen Untergrund, dann meinen kleinen, aber mutigen Frenchie. Als gestattete uns eine riesige Seeschlange, über ihren schuppigen, glitschigen Rücken zu klettern, wagten wir die ersten Schritte. Kaum mehr als einen Meter ragte der zerklüftete Boden aus dem Wasser. Wir waren etwa auf halber Strecke, da fiel mir auf, dass sich der noch vor uns liegende Weg stark verengt hatte. Wasser floss zu meinen Füßen, Mila sprang über Rinnsale und Pfützen hinweg. Verwundert drehte ich mich um und erkannte das gleiche Bild auf dem schon zurückgelegten Weg. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Flut brach an, die Schlange tauchte erbarmungslos unter. Ich nahm Mila unter den Arm und rannte zurück, mehr rutschend und stolpernd als laufend, während das Wasser links und rechts immer näher rückte. Gerade noch rechtzeitig retteten wir uns auf das Festland. Erschöpft und erleichtert beobachtete ich voller Demut, wie die Schlange im Meer verschwand und nur ihr Kopf als Insel aus dem Wasser lugte.
Abends in einem gemütlichen Pub erfuhr ich schließlich von der Legende des Worms Head. Der Name, so erzählte man mir, gehe auf ein altes Wort für Drache oder Schlange zurück. Schon die Wikinger sollen in der langgestreckten Felsformation ein Ungeheuer erkannt haben, das sich aus dem Meer erhebt. Für einen kurzen Moment hatten Mila und ich diesen Rücken betreten und gerade noch rechtzeitig verstanden, dass man mit den Gezeiten nicht verhandelt.
Der Burgensammler, Teil 1
Hinter jeder Kurve wartete eine Burg. So jedenfalls fühlte es sich an, als wir nach unserem Abenteuer auf der Gower-Halbinsel weiter Richtung Westen fuhren. Die Grafschaft Pembrokeshire schien ideal, um mich auf dem Roadtrip nebenher als Burgensammler zu betätigen.
In Manorbier entdeckten wir hinter haushohen Hecken versteckt das Manorbier Castle, das direkt am Sandstrand einer kleinen Bucht lag.
In der bunten Hafenstadt Tenby besichtigten wir die auf einem Hügel ruhenden Reste einer alten Festung und umschifften anschließend in unmittelbarer Nähe eine kleine Felseninsel, auf der das wuchtige St Catherine’s Fort thronte.

In Carew betraten wir eine ehemals mächtige Anlage, teils wehrhafte Festung, teils eleganter Renaissance-Wohnsitz, die sich am Ufer einer von Gezeiten geformten Flussmündung erhob und deren Wurzeln über zweitausend Jahre zurückreichen.
Wir übernachteten schließlich in St Davids, einem klitzekleinen Städtchen, das seinen Status der ehrwürdigen Kathedrale verdankt, an die sich die Ruine eines burgähnlichen Bischofspalastes schmiegt.


Wales gilt als „castle capital of the world“. Tatsächlich existieren über 600 Burgen und Schlösser in Wales, mehr pro Quadratkilometer als in irgendeinem anderen Land der Welt. Etwa 100 davon stehen noch heute, mal als bewohnte Bauwerke, mal als romantische Ruinen. Die Restlichen sind längst zerfallen, die Natur hat sich ihr Land zurückerobert.
Ein regelrechtes Wettrüsten über viele Jahrhunderte führte zu diesem Bau-Marathon. Erst errichteten die Normannen ihre Burgen, um das eroberte Land zu kontrollieren und weiter ins Innere vorzudringen. Später ließ die englische Krone gewaltige Festungen in den Grenzgebieten hochziehen, um ihre Macht dauerhaft zu sichern. Als Reaktion darauf bauten die walisischen Fürsten ihre eigenen Burgen, um ihr Land und ihre Unabhängigkeit zu bewahren.

Es sind die rauen Abenteuer, die sich in und um eine Burg herum ereigneten, das Mittelalter mit Geschichten von Schwertkämpfern, Eroberungen und Intrigen und der malerische Anblick eines von Hand erschaffenen Meisterwerks aus Stein, eingebettet in unberührte Landschaft, die mich immer wieder begeistern.




Der Burgensammler, Teil 2
Mila und ich betraten die herabgelassene Zugbrücke und überquerten den tiefen, wassergefüllten Burggraben. Die Wachen zu beiden Seiten des Torbogens ließen uns regungslos, aber aufmerksam passieren. Im weitläufigen Burghof blieb ich stehen und sah zu den umliegenden Schutzmauern empor. Dick und wehrhaft ragten sie in die Höhe, unüberwindbar wirkend, gebaut, um den Bewohnern Sicherheit zu geben vor Räubern, Belagerern und allem, was draußen lauerte. Inmitten der alten Mauern übten Kinder mit Stöcken den Kampf, als wären sie kleine Ritter, die sich auf einen bevorstehenden Krieg vorbereiteten. Von irgendwoher hallten Bardenklänge zu uns herüber und lockten mich in einen großen Saal. Ein massiver Holztisch zog sich durch den halben Raum, eine Tafel von jener Art, an der Ritter und Edelleute zusammenkamen und bei Becherklirren, Wildschweinkeulen, Musik und lauten Stimmen große Bankette feierten. Mila krabbelte unter den Tisch, als suche sie nach einem hinabgefallenen Knochen.


Hinter einem Vorhang führten Stufen hinunter in die Kellergewölbe. Ein Raum voller Fässer roch nach feuchtem Holz und vergorenen Trauben. In einem anderen, der Waffenkammer, hingen Axt neben Schwert neben Schild akkurat an der Wand, bereit, wieder in Gebrauch genommen zu werden. Wir folgten einem schmalen, finsteren Korridor. Fackeln warfen flackerndes Licht an die Mauern. Beinahe stolperte ich in eine winzige Nische, fast höhlenartig, dunkel und feucht, mit kaum mannshoher Decke und einem Fenster, das eher einem Guckloch glich: das Verlies. Im hinteren Teil klaffte ein großer Spalt im Boden, der tief in den Abgrund führte. Instinktiv nahm ich Mila kürzer an die Leine. Wer dort hinabstürzte, war verloren. Vielleicht war er eine letzte grausame Verlockung für einen hoffnungslosen Gefangenen, der seinen schleichenden Tod nicht länger absitzen wollte. In den Wänden erkannte ich eingeritzte Symbole und Namen. Vielleicht waren es letzte Botschaften oder der Versuch, in der Dunkelheit nicht ganz zu verschwinden.

Wir kletterten ein Stockwerk höher und betraten die kleine Burgkapelle, die zu dem eben Gesehenen kaum gegensätzlicher hätte sein können. Sonnenstrahlen drangen durch ein farbenprächtiges Fenster, brachen an den steinernen Wänden und tauchten den ganzen Raum in warmen, bunten Glanz. Selbst schwebende Staubpartikel wurden im Licht sichtbar. Im Bergfried angekommen, dem mächtigen Hauptturm der Anlage, stiegen wir die steinerne Wendeltreppe hinauf, erst eine Ebene, dann noch eine, bis wir die Aussichtsplattform erreichten. Mila rannte neugierig voraus. Auf die Brüstung gelehnt, ließ ich den Blick schweifen: über endlose Wälder und weite Weiden, auf denen Kühe und Schafe grasten, über ein fernes Dorf, über die Bucht, die sich zum Meer hin öffnete, und hinab auf die Besucher, die durch das Burgtor kamen oder gingen. Von hier oben entging einem nichts.

Schließlich verließen wir dieses Bollwerk längst vergangener Tage. Ich drehte mich ein letztes Mal um. Hoch über den Mauern wehte die walisische Flagge mit dem roten Drachen, als würde er uns zum Abschied nachwinken.
Mehr als durch Museumsstücke, Bücher oder historische Erzählungen lässt sich in einer Burg die Vergangenheit unmittelbar erleben. Man muss nur eintreten und der Fantasie freien Lauf lassen.




Die Schatzkammer
Manche Erinnerungen entstehen gerade dann, wenn man am wenigsten mit ihnen rechnet. Eine davon begann für mich im Pembrokeshire-Coast-Nationalpark, dem einzigen Nationalpark Großbritanniens, dessen Erscheinungsbild vor allem von der Küste geprägt wird. Als Gegenpol zu den mittelalterlichen Burgen, die wir in der Region besichtigten, zog es Mila und mich jeden Tag hinaus zu einer ausgiebigen Wanderung durch eine andere Klippenlandschaft. Einer dieser Ausflüge entwickelte sich jedoch zu weitaus mehr als einem bloßen Spaziergang. Er wurde zu einer Begegnung mit einem Ort, der kurz sein Geheimnis preisgab und es dann wieder verschloss. Auf einem von bunten Blüten gesäumten Klippenweg oberhalb der Caerfai Bay blieb mein Blick plötzlich in der Tiefe hängen. Von hohen Felswänden eingekesselt, lag dort ein kleiner Strand, abgeschieden und menschenleer.
Von Neugier getrieben suchte ich nach einer Möglichkeit, hinabzusteigen. Für Mila war es ohnehin eine willkommene Gelegenheit, sich im Sand auszutoben und im Meerwasser zu plantschen. Ich entdeckte einen hölzernen Wegweiser, der den Abstieg markierte und drei eingeschnitzte Symbole trug – eine Wanderfigur, eine Eichel, ein keltisches Drachenmotiv. Je weiter ich ihm folgte, desto höher ragte zu meiner Linken eine senkrechte Felswand auf, dicht bewachsen mit Moos, Farnen und weißblühenden Pflanzen. Wasserfäden rieselten hinab wie ein feiner Vorhang und erzeugten ein sanftes Plätschern.

Unten angekommen, versperrte uns zunächst ein Gesteinsfeld den Weg zum Strand: große, nasse Felsbrocken, zwischen denen sich Wasser gesammelt hatte. Auf manchen Steinen haftete glitschiger Tang. Jeder Schritt musste sitzen. So balancierten wir von Stein zu Stein, den Blick auf jedes Detail gerichtet. Als wir die weitläufige Hürde endlich hinter uns gelassen hatten und uns die weiche Sandebene unter den Füßen empfing, ließ Mila ihrer Freude freien Lauf. Sie raste in weiten Kreisen über den Strand, wirbelte herum und lief bis ans zurückweichende Meer, wo sie nur vorsichtig mit den Pfoten ins Wasser tappte.


Ich dagegen blieb stehen und sah mich um. Mir fiel eine Ecke inmitten der umliegenden Felswände auf, die sich deutlich vom Rest der Bucht abhob: bunt und glänzend, als hätte sich die Natur genau diese Stelle als Leinwand auserkoren und wild den Farbpinsel geschwungen. Oben prangte saftiges Grün, durchsetzt von weißen Blüten, wie ich es schon am Abstiegspfad gesehen hatte. Doch hier kamen rosafarbene Blütenbüschel hinzu, die wie Farbtupfer an dem Steilhang leuchteten. Darunter trat purpurroter Sandstein hervor, zerklüftet, teils gebrochen und als Geröll vor der Wand aufgehäuft; daneben lagen blassgraue, glatte Blöcke. Es folgte ein schmaler Streifen hellen, beigegelben Sands. Direkt vor meinen Füßen ruhten glänzende Felsbrocken, feucht vom Meer und schwarz wie erkaltete Lava. Überall dazwischen blitzten sattgrüne Algenflecken auf.

Ich trat näher. Pfützen und Rinnsale verrieten, dass die Flut hier vor kurzem noch alles unter Wasser gesetzt hatte. Dann fiel mein Blick auf einen dunklen Schatten in der Felswand. Was ich zunächst für einen Spalt gehalten hatte, entpuppte sich als Eingang. Die Ebbe hatte eine Höhle freigelegt. Mila sprang voraus und verschwand im Inneren, kam jedoch sogleich wieder zu mir zurück. Die Finsternis war ihr nicht geheuer. Da trat ich selbst ein, kletterte über den unebenen Boden und tastete mich an der feuchten Höhlenwand entlang. Das Tageslicht reichte kaum hinein und schon stolperte ich mehr, als dass ich ging. Unter meinen Füßen klickerte und klackerte es bei jedem Schritt, als würden unzählige Murmeln aneinanderstoßen. Also holte ich mein Handy heraus und schaltete die Lampe ein. Was ich sah, überstieg alles, was ich erwartet hatte.


Tausende kleiner Steine lagen um mich herum, vom Salzwasser glattgeschliffen und in Farben, die beinah unwirklich schienen: Rot, Grau, Grün, Schwarz, Beige, Violett. Einige hob ich auf. Sie lagen kühl und schwer in meiner Hand, ihre Oberflächen makellos poliert. Es waren keine gewöhnlichen Kiesel, wie ich später nachlesen sollte. Ihr Gestein war mehr als eine halbe Milliarde Jahre alt und stammte aus dem frühen Kambrium, einer Epoche, in der sich das Leben in den Meeren erst zu entfalten begann. Wenige Kilometer entfernt hatte ich Burgen aus dem 12. Jahrhundert besichtigt und sie ehrfürchtig alt genannt. Jetzt hielt ich Steine in der Hand, die diese Burgen um ein unvorstellbares Maß an Zeit übertrafen. Das Meer hatte sie aus den Klippen gelöst, gerundet, geschliffen und in die Höhle getragen, als sei sie seine Schatzkammer. Mila saß neben mir und schaute mich an. Ich legte die Steine behutsam zurück.


Das Duell der Drachen
Als wir in Beddgelert im Herzen des Eryri-Nationalparks ankamen, war es bereits später Nachmittag. Das Dorf lag tief im Tal, abgeschirmt von Bergen, nur wenige Häuser standen hier beieinander. Eine zweibogige Steinbrücke bildete den Mittelpunkt des Ortes, genau dort, wo sich zwei Flüsse zu einem einzigen, lebhaften Wildbach vereinten, der sich unweit durch eine enge, felsige Schlucht schlängelte.
Wir drehten nur noch eine kleine Runde durchs Dorf und am Fluss entlang. Schließlich landeten wir in einer winzigen Bücherei.

Seit dem ersten Tag unserer Reise hatte uns eine Gestalt begleitet, zunächst beiläufig, später unübersehbar. Sie lauerte auf Wegweisern, prangte über Pubtüren, zierte Holzschnitzereien und flatterte auf der allgegenwärtigen Nationalflagge. Hier, zwischen den vollen Regalen, blickte sie nun von zahllosen Buchcovern auf mich herab: der rote Drache von Wales. Und erst jetzt erfuhr ich von seiner Bedeutung. Dabei fiel immer wieder derselbe Name: Dinas Emrys.
Ich las von einem bewaldeten Hügel, ganz in der Nähe von Beddgelert. Tief unter ihm, so hieß es in der Sage, kämpften zwei Drachen, einer rot, einer weiß. Jahrhundertelang blieben sie unbemerkt, bis König Vortigern ausgerechnet auf diesem Hügel eine Burg errichten wollte.


Doch was man bei Tag erbaute, stürzte über Nacht wieder in sich zusammen, bis man unter dem Fundament auf die beiden Drachen stieß. Da rief man den jungen Seher Merlin herbei. Er deutete den Kampf der beiden Geschöpfe als Prophezeiung: Der rote Drache stehe für die Briten, die Vorfahren der Waliser, der weiße für die sächsischen Eindringlinge. Am Ende werde der rote Drache siegen. So wurde er zum Sinnbild für Widerstand, Beharrlichkeit und den Willen, sich einer Übermacht nicht zu beugen.
Fasziniert davon, wie nah der Schauplatz lag, brach ich am nächsten Morgen mit Mila auf.
Wir betraten den Waldpfad, der uns zum Hügel führen sollte. Mila lief wie so oft voraus und beschnüffelte am Wegrand eine verwitterte Bank, die aus einem einzigen Holzblock geschnitzt war: an einem Ende der Kopf eines Drachen, am anderen der geschwungene Schwanz, die Klauen in den Boden gegraben.


Ein Stück weiter ragte der Wurzelteller eines umgestürzten Baumes vor uns auf, senkrecht, beinahe doppelt so hoch wie ich, eine Wand aus Erde und freigelegten Wurzeln. Dort, wo der Stamm aus dem Boden gerissen war, klaffte ein dunkler Hohlraum. Dicht daneben flammte ein Strauch in kräftigem Rot. Ich stutzte kurz, dann zogen wir vorbei.
Ein Plätschern wurde lauter, bis wir vor einem kleinen Wasserfall standen, der über Felsen in ein klares Becken fiel und von dort als Bach weiterfloss. Mila setzte sich zwischen zwei mächtige Felsblöcke und trank. Ein schmaler Übergang aus flachen, lose übereinandergestapelten Steinplatten brachte uns ans andere Ufer. Immer häufiger fielen mir nun Überreste alter Gemäuer auf, von Bäumen und Gestrüpp überwuchert – Ruinen, die von einer Vergangenheit zeugten, die der Wald fast vollständig verschluckt hatte.

Wir verließen den schattigen Wald und traten hinaus auf offenes Grasland. Ein schmaler Trampelpfad führte uns sanft ansteigend an den Fuß des Hügels, der sich vor uns erhob: Dinas Emrys.
Ich kletterte den Hang empor, Mila blieb jetzt nah bei mir. Es wurde steiler und enger. Zu beiden Seiten erhoben sich moosüberzogene Felswände, dicht genug, dass sich die belaubten Äste der Bäume darüber zu einem grünen Dach schlossen. Nur stellenweise fiel Licht hindurch. Über lose Steine, freigelegte Wurzeln und feuchte Erde arbeiteten wir uns aufwärts durch einen natürlichen Korridor, der sich anfühlte wie ein Durchgang zu etwas Verborgenem.

Dann gab die Enge uns frei und wir standen auf dem Gipfel. Hier war nichts als Gras, vom Wind flach gedrückt, ein paar gebeugte Bäume und der weite Blick ins Tal. Keine Burg, keine aufragenden Mauern, keine Spur eines Kampfes, nur der Boden unter meinen Sohlen und eine Luft, die hier oben nicht zur Ruhe kam.
Ich schloss die Augen.

Der Wind wurde zum Flügelschlag. Unter mir bebte der Hügel, als grübe sich etwas nach oben. Die Erde brach auf und sie stiegen heraus, zwei Leiber, ineinander verbissen, der eine weiß, der andere rot – rot wie der Strauch am umgestürzten Baum, rot wie der Drache auf den Flaggen dieses Landes. Sie schlugen und wanden sich, bis der weiße erlahmte und der rote sich über ihn warf.
Ich öffnete die Augen: Gras und das Tal, nichts hatte sich verändert und doch stand ich nicht mehr auf demselben Hügel.

Wir machten uns auf den Rückweg, als mir eine zuvor unbemerkte Vertiefung im Boden auffiel, umgeben von kaum sichtbaren, halb im Gras versunkenen Mauerresten. Erst später las ich in archäologischen Berichten, dass die Funde auf Dinas Emrys bis in jene Übergangszeit nach dem Ende der römischen Herrschaft zurückreichen, in der auch Vortigern gelebt haben soll. Kein Beweis für seine Burg. Aber genug, um die Sage dichter an die Wirklichkeit zu rücken.
Am Abend, zurück im Gasthaus, ging ich den Flur entlang und sah, dass jede Tür einen eigenen Namen trug. Glaslyn, wie der Fluss im Ort. Sygun, wie das nahe Kupferbergwerk. Dann blieb ich vor meiner eigenen Tür stehen und musste schmunzeln. Auf dem kleinen Schild stand: Dinas Emrys.
Der Kreis schließt sich

Nach zwei weiteren Tagen im Eryri-Nationalpark ließen wir die Bergwelt hinter uns. Über schmale Landstraßen gelangten wir an die Nordküste nach Colwyn Bay, der letzten Station unserer Reise. Wir hatten Wales im Uhrzeigersinn umrundet. Zum Abschied spazierten wir die Promenade entlang. Das Meer lag zu unserer Linken, am Horizont drehten sich die Rotoren eines Windparks, kaum mehr als helle Striche im Dunst. Über uns zogen vereinzelte Wolken an einem sonst blauen Himmel. Doch von der See drang ein so kräftiger Wind, dass mein Stativ kaum Halt fand.
Dann begegneten wir ihm. Auf einer schlichten Bank direkt am Strand saß ein nackter Mann aus Bronze. Die Haare standen ihm wild vom Kopf ab, er grinste. Seine Finger lagen auf den Tasten einer Orgel. Kein Sockel, keine Absperrung. Er saß mitten unter den Spaziergängern, als wollte er uns unterhalten. Ich erkannte ihn sofort. Es war Terry Jones aus „Monty Python’s Flying Circus“ in seiner berühmtesten Pose, die ich seit Kindheitstagen kannte. Erst beim Nähertreten erschlossen sich mir die Einzelheiten der kunstvollen Skulptur. Die Orgel war zugleich eine Schreibmaschine, neben der sich Bücher stapelten. Aus dem Instrument wuchs ein Schreibtisch hervor. Der walisische Komiker, den ich vor Augen hatte, war auch Autor und Historiker. Vor allem aber war er ein Geschichtenerzähler.
Vor mir stiegen die alten Bilder auf: Jones am Klavier, splitternackt in karger Landschaft. Jones als weinerlicher und singender Prinz in „Die Ritter der Kokosnuss“. Jones als keifende Mutter, die der Menge vom Fenster aus zuruft, ihr Sohn sei nicht der Messias, in „Das Leben des Brian“. Die Szenen aus diesen urkomischen Satiren blieben mir über Jahre in Erinnerung und prägen meinen Humor bis heute. Die Bronze war neu; erst wenige Wochen zuvor war sie feierlich enthüllt worden, im Beisein seiner alten Monty-Python-Weggefährten. Terry Jones selbst war schon 2020 gestorben. Was ich da vor mir sah, war ein Lebenswerk, in Metall gegossen.
Ich trat einen Schritt zurück. Im Laufe von drei Wochen hatte Wales mir etwas verdeutlicht, ohne dass ich es gleich begriff: wie nah hier Vergangenheit und Gegenwart beieinanderliegen.
In einer Küstenhöhle hatte ich bunte Steine entdeckt, aus einer Zeit, als das Leben gerade erst begann – nicht weit von Burgen, die ich ehrfürchtig alt genannt hatte. Und nun stand hier das Denkmal eines Mannes, dessen Humor mich seit meiner Kindheit begleitet, an der Küste seines Geburtsortes. Wales ist klein, aber es reicht tief.
Wie es der Brauch verlangt, rieb ich der Figur den blank gewetzten Hintern – für das Glück und weil Jones dieses Denkmal vermutlich selbst für eine herrlich alberne Idee gehalten hätte. Mila saß derweil auf der Bank, dicht neben ihm, und sah mich an, als fragte sie, ob wir nun weiter könnten.
Neben dem uralten Meer, den modernen Windrädern und dem verewigten Jones war sie das eigentliche Gegenwärtige, das Lebendige. Und es war ihretwegen, dass diese Reise überhaupt zu dieser Reise geworden war. Ohne sie hätte ich geeilt, wo ich nun verweilte; wäre vorbeigefahren, wo ich nun ausstieg. Sie hatte mich an Orte geführt, die ich allein übersehen hätte, und mir die Geduld geschenkt, hinzusehen.
Ich nahm Mila wieder an die Leine und wir gingen die Promenade zurück zum Auto. Die Runde um Wales war geschlossen. Vor uns lag nur noch der lange Weg zurück nach Deutschland.









